You are what you eat


Fangen wir damit an: Ich kann nicht streiten. Einerseits, weil ich nicht damit umgehen kann, das Gefühl zu haben, dass sich jemand wegen meinem Verhalten angegriffen fühlt (ja, sehr schlechte Eigenschaft von mir). Andererseits, weil ich es nicht sehen kann wenn jemand leidet.

Das heißt zum Beispiel, dass ich selbst beim wöchentlichen Tatort sofort wegschaue, sobald es auch nur ein bisschen brutal wird. Ich habe einmal einen Boxkurs gemacht und immer wenn der Trainer sehr realistisch den nächsten Kick Richtung Gesicht vorgeführt hat, bin ich zusammengezuckt.

Ich bin gegen jegliche Gewalt – auch gegen Tiere.
Seit ich 14 bin, habe ich es immer wieder hinterfragt, Fleisch zu essen. Es hat auch nie zu meinen Lieblingsessen gezählt. Als kleine Erinnerung zum Schmunzeln und zum besseren Nachvollziehen: ich habe in der siebten Klasse Unterschriften für eine Zeitschrift gesammelt, um den Verkauf von Pferdefleisch und das damit verbundene Schlachten der Pferde, zu stoppen. Es ging damals also eher um die Tiere, die man als junges Mädchen eben liebt 🙂

Mit dem Studium bin ich von zu Hause ausgezogen und musste für mich selbst sorgen. Ich esse seitdem kaum Fleisch, vor allem weil ich mich vor dem Zubereiten des rohen Fleisches ekel. Als ich ein für ein halbes Jahr  für ein Semester nach Barcelona gezogen bin, war es das gleiche. Hier wusste ich einfach nicht, wo ich Fleisch kaufen soll. Ich war mir unsicher, ob das Fleisch oder die Wurst im Mercado auch wirklich Fleisch bzw. Wurst ist.

Letztes Jahr im Februar bin ich aus Barcelona zurückgekommen und habe das Buch “Skinny Bitch” von Rory Freedman und Kim Barnouin gelesen. Wenn man dieses Buch liest, kann man einfach kein Fleisch mehr essen. Eigentlich sogar überhaupt keine tierische Produkte mehr. Das Buch ist so überzeugend geschrieben und der Verzicht auf Fleisch wird mit so vielen überzeugenden und teilweise auch brutalen Argumenten begründet, dass ich mich dazu entschieden habe, auf Fleisch zu verzichten.

Hier ein paar meiner Gedanken zum Fleischverzicht und was ich während des Lesens gelernt habe:

  • Ich habe Fleisch gegessen, weil ich mir um meine Eisenzufuhr Sorgen gemacht habe. Esse ich kein Fleisch mehr, werden mir Nährstoffe fehlen und ich werde mich schwach fühlen. Am meisten Angst hatte ich dabei vor Schwindel (völlig unbegründet, ich weiß).
    • Fleisch enthält bis auf Vitamin B12 keine Nährstoffe, die nicht auch in pflanzlichen Produkten enthalten sind. Teilweise ist  der Anteil an Eisen beispielsweise in Spinat, Linsen oder Kichererbsen höher als in einem Putensteak.
  • Ich habe wegen dem Schlachten kein schlechtes Gewissen gehabt, weil Schweine, Kühe und Puten sowieso sterben müssen. Ich dachte damals, dass sie kurz und schmerzlos umgebracht werden.
    • Es gibt keinen schönen Tod. Komisch, aber ich bin nie darauf gekommen, dass ich etwas zu mir nehme, das so viel Angst, Stress und Leid erfahren hat. Einfach gesagt, heißt das ja, dass ich Angst, Stress und Leid esse. In einer Massentierhaltung werden Tiere zum Töten gezüchtet. Manchmal werden sie nur zum Spaß der Arbeiter gequält und es dauert seine Zeit, bis eine Kuh wirklich tot ist. Es ist auch kein Märchen, dass Hühner am lebendigen Leib Gliedmaßen ausgerissen werden.
  • Bis dahin war Fleisch für mich gesund, vor allem Geflügel sei fett- und kalorienarm.
    • Man ist, was man isst (Angst, Stress und Leid?). Allein der Gedanke an einen Massenschlachthof mit viel Blut, Innereien etc. – ist das hygienisch? Kein Wunder also, dass zu der Tiernahrung auf den Höfen Antibiotika hinzugefügt wird und ein Filet in Verdacht steht gegen Antibiotika resistent zu machen.

Das sind die drei wichtigsten Gründe, warum ich kein Fleisch mehr essen will.
Ich möchte gesund leben, Leid nicht unterstützen und ich brauche es einfach nicht.

Auf dem Blog von AnnaLauraKummer habe ich ein Video gefunden, was viele Aspekte aus “Skinny Bitch” brutal auf den Punkt bringt. Es geht dabei rein um die Milchindustrie (also noch nicht um das Schlachten!):

DAIRY IS F**KING SCARY! The industry explained in 5 minutes

Ich esse ja auch nicht jeden Tag Chips.

Leider komme ich nicht aus einer großen Stadt und meine Familie konnte es nie nachvollziehen, warum Fleischverzehr unnötig ist. Meine Mama hat immer mit Fleisch gekocht und wenn ich verzichtet habe, ist eine mega Diskussion ausgebrochen.
Außerdem habe ich in meinem ersten halben Jahr als Vegetarier viel Stress gehabt und war eher unzufrieden mit meiner Situation. Ich hatte ständige trockene Mundwinkel und viele Pickel bekommen. Alle haben das sofort auf meinen Verzicht auf Fleisch geschoben und ich habe mich oft überzeugen lassen.

Ich habe es also nicht geschafft, vegetarisch zu leben.

Was ich aber geschafft habe ist, dass ich angefangen habe mich intensiv mit dem Thema auseinander zusetzen.

“Skinny Bitch” kommt aus den USA und das bedeutet nicht, dass die Umstände auf den Schlachthöfen in Europa dieselben sind. Dabei spreche ich aber nur von Bio-Höfen aus der Region. Für mich sind die USA ein Land, das von Geld regiert wird, natürlich nur auf politischer Ebene (Menschen und die Landschaft sind dennoch beeindruckend). Diese Formen sind für mich noch nicht vollständig bis nach Europa übergeschwappt, obwohl ich glaube, dass der Trend leider in die Richtung geht (ich fange jetzt nicht an über TTIP zu sprechen).

Nur weil ich kein Fleisch mehr esse, möchte ich nicht kein anderes Ungesundes zu mir zu nehmen. Einer meiner Gründe für den Verzicht, ist es gesund zu leben. Soja und vor allem Mais sind einige der am meisten genmanipulierten Lebensmittel. Ich finde, sie gehören als Vegetarier genauso wenig zur Ernährung wie Fleisch. Es geht darum wirklich nährreiche Lebensmittel, die nachhaltig angebaut werden, zu essen.

So habe ich angefangen nur noch das Fleisch zu essen, von dem ich wusste, dass es aus der Region kommt bzw. wenigstens ein verifiziertes Bio-Siegel hat.

Und ich habe angefangen, Soja-/Hafer-/Mandelmilch zu trinken, um meinen Kuhmilch-Bedarf zu reduzieren. Bei Käse und Joghurt schaue ich seither zweimal drauf wo  und aus welchen Umständen er herkommt. Gleiches gilt auch für Sojaprodukte.

DSC_0304Vegetarisch zu leben ist für mich eine ganz anderer Lebensstil, nicht nur ein Verzicht. So habe ich zum Beispiel ein Jahr später die Pille abgesetzt. Auch wenn es nicht auf der Hand liegt, hat das viel mit meinen Beweggründen vegetarisch zu leben zu tun. Ich habe mich sehr mit dem Thema Ernährung befasst und mir wurde bewusst, dass ich obwohl ich gesund esse, trotzdem jeden Tag künstliche Hormone zu mir nehme.

Mein eigener Körper hat mich darauf aufmerksam gemacht. Ich hatte oft sehr starke Brustschmerzen, Zwischenblutungen und Kopfschmerzen. Als erstes habe ich auf Rat meines Arztes natürlich die Pille gewechselt (Mädels, kein Frauenarzt wird euch jemals sagen, dass die Pille schlecht ist. Er wird euch sogar überreden, sie weiter zunehmen). Meine Beschwerden wurde dadurch aber nicht besser. Letztendlich, habe ich es nicht mehr ausgehalten und sie einfach abgesetzt. Leider gibt es neben dem Verlust des Verhütungsschutzes auch andere negative Folgen nach dem Absetzen. Ich habe viele Blogs und Videos zu dem Thema angeschaut und wusste, dass auch negative Nebenwirkungen ausgelöst werden können. Nichtsdestotrotz war es eine der besten Entscheidungen.

Während ich in Barcelona war, hatte ich schon einmal die Pille abgesetzt. Damals war der Grund einfach, dass ich die Einnahme zu oft vergessen habe. Ein paar Monate später habe ich ziemlich viele Pickel bekommen (ja, das sind die von denen ich oben erzählt habe). Ich habe das zu der Zeit nicht mit der Pille in Verbindung gebracht, aber rückblickend wurde meine Haut wieder besser als ich wieder angefangen habe mit der Pille zu verhüten.

Demnach hatte ich auch dieses Mal Angst, wieder Pickel zu bekommen. Manche klagen auch über Haarausfall. Dass mein Zyklus unregelmäßig wird, war mir bewusst. Ich habe beim ersten Absetzen meine Periode erst ein halbes Jahr später bekommen.

Bisher merke ich wenig davon und bin sehr sehr glücklich darüber. Seit mehr als zwei Monaten bin ich jetzt pillenfrei. Ich habe nur zwei, drei Pickel mehr bekommen. Dann habe ich meine Periode im ersten Monat bekommen. Es ist bisher noch in Ordnung, dass sie im zweiten Monat bisher ausgeblieben ist. Ich fühle mich so viel besser, leichter (endlich 2kg weniger Wasser) und gesünder.

Mit meiner Ernährung will ich meinen Körper bei der Entgiftung unterstützen.

Also versuche ich seit zwei Monaten vegetarisch und besser gesagt, gesund zu leben und auch Milchprodukte langsam aus meiner Ernährung zu streichen. Zweimal habe ich seither Fleisch gegessen, nicht weil ich Lust darauf hatte, sondern weil es mir in meiner Umgebung schwerfiel, meinen vegetarischen Standpunkt zu vertreten. Ich liebe Müsli mit Früchten und Joghurt und bei dem Verzicht der Milchprodukte tue ich mich wirklich noch schwer.

DSC_0307 Kopie
Müsli mit frischen Früchten

Mit diesem Blogeintrag wird meine Meinung aber endgültig veröffentlicht.
Ich halte meine Entscheidung auch fest, weil ich in ein paar Monaten Veränderungen durch die Umstellung an mir erneut aufschreiben will. Ich bin mir sicher, die positiven Effekte motivieren mich weiter.
Außerdem gehört Ernährung zu einem wichtigen Punkt in meinem Leben und ich möchte darüber schreiben.

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You are what you eat.
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